Ich kann abends nicht einschlafen (ich lag drei Stunden wach!), weil ich so viele Gedanken habe übers wieder nach Deutschland kommen, was mir fehlen wird, was ich alles erlebt, gelernt, gesehen habe. Eben hab ich Fotos angeschaut und Sigur Ros gehört und bin sehr melancholisch geworden. Ach ja… Es ist einfach zu schön hier. Ich denke oft, ich habs nicht verdient. Dann ist es wieder als wäre ich dafür geboren und hatte nur nicht früh genug die Chance das alles zu machen. Mehrere Pferde trainieren ist schon auch anstrengend und nicht nur Spaß. Aber so erfüllend!!
Heute ging es mit meiner Stimmung auf und ab. Erst füttere ich den Pferden in den kleinen Paddocks Heu, bringe die Pferde neben dem Reitplatz zum Wassertrog und schleppe Wassereimer über die Straße zu den drei Hengsten, dann miste ich die Boxen der beiden kranken Pferde aus (der kleine Roan-Hengst hat Husten und die Smoky-Buckskin-Stute ist eines Nachts aus ihrem Pen gesprungen und konnte nicht mehr laufen).
Randy geht dann meisten schon mit den ersten Pferden zur Reithalle und fängt an zu trainieren. Ich komm dann nach, bring die beiden Duns (Falben) und Okie, den Paintwallach oder die im Sommer Dreijährigen, die ich täglich reite.
Heute bin ich als erstes einen großen Dun-Paintwallach geritten, für den morgen jemand kommt, der ihn vielleicht kaufen will. Er war noch nie in der Reithalle und dementsprechend aufgeregt. Randy wollte mit seinem Pferd ein bisschen raus reiten, also haben wir einen kleinen Ausritt gemacht. Da der Morgennebel noch um uns schwebte, hatten wir danach super kalte Füße und sind ins Haus (naja, in den Trailer, Haus kann mans nicht nennen) gegangen um uns aufzuwärmen. Dann kamen drei befreundete Frauen. Danach hab ich Okie ausgebunden longiert. Seine Besitzerin hat ihn aus schlechter Haltung gerettet und er ist nun ihr Baby… ganz schrecklich, was das aus Pferden macht. Manchmal rastet er aus und rennt gegen die Wand oder über einen. Er ist gut gelaufen, aber diese Verhätschelung hat mich schon mal ganz schön runtergezogen. Dann bereite ich meistens das nächste Pferd für Randy vor. Das eben gerittene hab ich dann trocken geritten, sodass ich gar nicht selber zum Reiten kam. Dann hab ich Gomer geritten, den jungen Perlinowallach, der immer besser wird. Gestern hab ich ihn ausgebunden laufen lassen und nun ist er viel lockerer und läuft so schön rund, reagiert super auf Beine und läuft runde Zirkel. Leider hält er nicht an, wenn ich die Beine nach vorn strecke. Ich hab immer vergessen Whoa zu sagen und stoppe mit Zügelhilfe. Mh, diese Trainingseinheit war dann ziemlich hart… für uns beide! Mal sehen wies morgen klappt, aber heute war es ziemlich schlecht. Ich war so unzufrieden und traurig über meine Unfähigkeit! Ich kam ins Haus und fand mein frisch gebackenes Brot nicht mehr. Jemand musste es weggeraumt haben. Ich suchte ueberall, konnte es aber nirgendwo sehen. So langsam musste ich akzeptieren, dass einer der Hunde es auch lecker fand und es gestohlen hat… Mensch, es war ein so perfektes kleines deutsches Brot! Die rauskommende Sonne konnte mich nicht mehr aufheitern! Wir haben eine kleine Mittagspause gemacht und sind danach ausgeritten. Die Falbenstute ist so extrem schreckhaft, dass ich echt genervt war. Wir härten sie bei jedem Reiten ab, indem wir mit unseren Armen rumwedeln und winken, aber sie muss einfach jedes Mal zusammenzucken. Wenn sie merkt, dass es nicht schlimm ist, wird es besser, aber schon nach zehn Minuten Pause, erschrickt sie sich wieder. Inzwischen springt sie immerhin nicht mehr weg, sondern zuckt nur zusammen… Die Hunde sind lustig durch den Schnee gesprungen, weil sie nicht so richtig vorwärts kommen im tiefen Schnee und ich hab ein bisschen meinen Schatten angeschaut und mich entspannt. Danach wieder kurze Aufwärmpause, zwischendurch auch immer mal wieder trockene Pferde wegbringen. Dann kam der beste Part des Tages: Ich habe mit Happy Lila (wie ich sie nenne, weil ich ihr Zöpfe gemacht habe und sie lila Gummis hatte
) gearbeitet. Weil mich in den letzten Tagen so über ihren Kopf geärgert habe, wurde sie heute das erste Mal locker ausgebunden longiert. Wow, als ich auf ihr saß, hatte ich das Gefühl auf einem anderen Pferd zu sitzen, denn sie hat dadurch gelernt nachzugeben. Sie ließ sich leichter lenken, nahm den Kopf runter und lief einfach richtig gut. Ja, durch dieses kleine Erfolgserlebnis ging es mir wirklich besser. Dann mussten wieder Aufgaben erledigt werden. Randy war schon ziemlich weit und ich hab nur die Abschwitzdecken zum Schuppen gebracht und gefüttert.
Mh… ich weiß nicht, was ich denken soll. Nur zwei Wochen sind übrig von meiner Kanada-Zeit. Ich freu mich schon auf mein „neues Leben“. Mit Geld verdienen, einer ganz eigenen Bleibe, einen kleinem Dörfchen, dann hoffentlich einem eigenen Pferd, einem Auto (oder Truck
), einem Hütehund. Aber es ist auch hart, alles hinter mir zu lassen, dieses relaxte Leben hier bei Randy, nur Pferde trainieren den ganzen Tag. Meine kleine Therapie. Dann träume ich aber auch wieder von einem eigenen Leben… Ach ja, es ist nicht leicht. Aber trotzdem schön!
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